Installation und Projekte
„12 Uhr mittags"
2025
Gastronomie-Leuchtkasten, Fundstück, umgebaut
Geruchs- und Soundinstallation
Maillard-Aromen
Ein leerer Restaurantkasten mit beleuchteter Bierwerbung aus vergangener Zeit wird zum Denkmal.
weiterlesen
Wo früher Speisekarten hingen, steht nun – wie eine Todesanzeige – der Begriff „Demi Glace“, Sinnbild für die verlorene Kunst der Soßenzubereitung.
Beim Öffnen entweicht ein würzig-röstiger Duft einer stundenlang reduzierten Soße – Bratenduft, geschmorte Zwiebeln – begleitet vom entfernten Klirren von Tellern. Akustische und olfaktorische Fragmente einer untergehenden Esskultur.
Das Werk thematisiert das Verschwinden jener Orte, an denen Gemeinschaft entstand – beim Essen, Diskutieren, Politisieren, beim Kartenspielen und Feiern.
„Zu-Falls Brot"
2025
Brotobjekte, variierend geformt
Können Zufälle zufällig fallen?
weiterlesen
Brotteig, der langsam oder auch schnell, je nach Beschaffenheit und Größe durch die Schwerkraft vom Haken an der Wand auf die Arbeitsfläche fällt. Dabei entstehen zufällige Brotformen.
Keine gleicht der Anderen. Es bilden sich skurrile, faltige Brotformen, gebogen oder gedreht fallen sie unkontrolliert auf darunter liegende Gegenstände. Ich nehme sie vom Tisch wie sie fallen, ohne weitere Optimierungen, und schiebe sie zum Backen in den Ofen.
Im Raum arrangiert wirken sie fast wie Getiere, die erstarrt sind oder noch weiter zu fallen drohen.
Das frisch gebackene Brot wird geschnitten und den Gästen mit gesalzener Butter serviert.
„So schön ..."
2021 – 2025
Fotoserie, über 30 Motive
Digitalprint auf Papier, DIN A5, 300 g/m²
In der Serie „so schön…“ entstehen nahezu skulpturale Arrangements aus zwei oder mehr unterschiedlichen, meist frischen Gemüse- oder Blumenarten.
weiterlesen
Mit großer Sorgfalt für Form, Farbe und Materialität entwickeln sich eigenwillige Kompositionen, die entfernt an menschliche Persönlichkeiten erinnern.
Mal stolz aufgerichtet, mal nachlässig geneigt, erscheinen die Gebilde eitel, elegant, verzottelt oder chaotisch – bisweilen mit einer selbstherrlichen Aura. Die organischen Formen entfalten eine stille, fast theatrale Präsenz, als würden sie sich selbst inszenieren.
Im Mittelpunkt steht kein wissenschaftlicher oder dokumentarischer Zugriff, sondern ein ästhetischer, beinahe spielerischer Zugang. Es geht um das Sichtbarmachen von Charakter und Ausdruck in scheinbar unbelebter Materie.
„Luft/Wurzeln"
2025
Installation, Teezeremonie
Gustav Mesmer war eine Person, deren Genialität zeitlebens nicht vollumfänglich erkannt wurde, ein Mensch mit einer Biographie, die man als gebrochen bezeichnen kann.
weiterlesen
Doch war Mesmer kein gebrochener Mensch. Das zumindest lesen wir aus der Beschreibung seines Lebens und Gesprächen mit Menschen, die ihn kannten. Im Gegenteil, er war sich seiner selbst bewusst und ist sich treu geblieben, bis zum Schluss. Widerständig, herausfordernd, inspirierend.
Was lesen wir aus seiner Biografie? Welche Aspekte seines Lebens interessieren uns und was ist Wert, herausgearbeitet und sichtbar gemacht zu werden? Wie kann die Gleichzeitigkeit des Wunsches, Wurzeln zu schlagen und fliegen zu können künstlerisch/gustatorisch ausgedrückt werden?
In einem mehrwöchigen Prozess haben wir uns intensiv mit den überlieferten Arbeits- und Produktionsweisen Mesmers auseinandergesetzt. Gemeinsam sind wir an den Ort gefahren, an dem er zuletzt gewirkt hat. Wir haben Menschen getroffen, gemeinsam Erfahrungen gemacht, Pflanzenwurzeln gesammelt und aus Abfallmaterial Dinge hergestellt, um innerhalb einer Performance unsere Empfindungen mit Ihnen teilen zu können. Wir laden Sie ein, diese, unsere Essenz mit uns zu teilen.
Johannes Zens II Lilly Linsbauer II Regine Weimar II Viola Schöndorf
Dozent/Künstlerische Begleitung: Karl Michael Lange
FKN 2024
„Warten im Raum"
2021
Videoinstallation, 2021
Großprojektion für drei Fenster, je 3,5 × 3,5 m
Dauer: 12 Minuten
Foto: Regine Weimar
Entstanden unter Beratung von Armin Bremicker, Leitung Studienbereich Zeichnung, Freie Kunstakademie
Text: Claudine Pachnicke, Juli 2021
Am Rand
Eine Hausfassade ist immer auch eine Leinwand, zeugt, sobald die Fenster den Blick freigeben, von anderen Welten. Im Vorbeigehen schauen wir oft mit gewisser Neugier, was es dort zu entdecken gibt – im Normalfall eine Spiegelung des vertrauten eigenen Alltags.
weiterlesen
Dies scheint auch hier, trotz der Sprengung der Maßstäblichkeit, der Fall. Uns zeigt sich allerdings parallel in allen drei Fenstern dieselbe Person, sie befindet sich jeweils im Zentrum der Projektion, füllt fast das ganze Bildformat. Auf den ersten Blick ein gewöhnliches Wohnambiente, eine Szene, wie sie jeder kennt: Eine Frau verrichtet ihre Arbeit am Küchentisch.
Beim genaueren Hinsehen stellt man aber fest, irgendetwas stimmt nicht. Die Frau wirkt irgendwie abwesend, sie vollführt manchmal fast emotionslos und mechanisch ihre Handgriffe. Ihr Blick schweift mal nach links, mal nach rechts, findet nur phasenweise Halt in den Dingen auf dem Tisch. Doch auch an diesen bemerkt der Betrachter Rätselhaftes. Und zudem wiederholen sich die drei Filmsequenzen ständig, dehnen sich in hypothetische Endlosigkeit.
Die Künstlerin Regine Weimar macht die Leere zum Hauptdarsteller ihrer Szenen. Die Person muss sich ihr stellen, gerät in Zugzwang. Sie sucht in manueller Beschäftigung Ablenkung und Ventil, um mit eingeschränktem Bewegungsdrang, erzwungenem Kontaktmangel und unvermeidbaren Sinnfragen zurechtzukommen. Dabei hat sie sich in absurde Tätigkeiten geflüchtet, an den Rand des Selbst, wo die Selbstverständlichkeit des Seins endet.
Auszug aus der Einführungsrede von Winfried Stürzl | 2023
weiterlesen
Denn auch wenn das Material „Flatter-“ oder „Absperrband“ bewusst aus leuchtenden Farben und starken Kontrasten zusammengesetzt ist, um eine besondere Signalwirkung zu entfalten, wird bei einem Blick in die Ausstellung deutlich: Wenn man es anders als vorgesehen kombiniert, entfaltet das Material plötzlich seine Eigenqualitäten.
Auf ganz andere Weise greift diesen Gedanken Regine Weimar auf. Unter ihrem Zelt aus Rauten, das über einem analog gestalteten Teppich schwebt, befindet sich ein zusammengerollter Schlafsack. Man weiß nicht, ob hier gerade jemand angekommen oder im Gehen begriffen ist. Der Zustand bleibt genauso schwebend wie die – wie ich finde – ausgesprochen ästhetische Konstruktion aus insgesamt 1000 zusammengefügten Einzelstücken. Der Titel „Notunterkunft“ verweist auf die vielen ungelösten Probleme unserer Gegenwart, die sich in jüngster Zeit noch einmal deutlich verschärft haben.
Blickt man von innen in das Zeltdach ergeben sich – durch die Überlagerung der einzelnen Elemente – Transparenzen und visuelle Verdichtungen, die sich – je nach Sichtweise – zu einem Muster aus kleinen Windrädern oder sternartigen Gebilden formen. Bei aller Tragik unserer aktuellen weltpolitischen Situation vielleicht ein leises Zeichen der Hoffnung.
„Dazwischen"
2023
Kunstaktion, Wandertext
„Imaginär"
2020
Videoinstallation
Projektion auf Fensterfassade, Freie Kunstakademie Nürtingen
Die Videoinstallation Imaginär zeigt in scherenschnittartigen Projektionen Szenen von Nähe, Tanz und körperlicher Vertrautheit.
weiterlesen
Paare begegnen sich, berühren sich, bewegen sich im Rhythmus gemeinsamer Erfahrung – Bilder, die während der pandemiebedingten Kontaktbeschränkungen ihre Selbstverständlichkeit verloren haben.
Die Projektion auf die Fenster der Akademie kehrt private Momente nach außen und macht sie zugleich unzugänglich. Hinter Glas und ohne realen Zugang erscheinen die dargestellten Begegnungen entrückt, beinahe künstlich. Nähe wird zur Vorstellung, zur Projektion – zu etwas Imaginärem.n
© 2026 Regine Weimar • mehr Werke auf Instagram